WER WEISS WOHIN Neuerscheinung Mai 2016

Man muss der Trauer begegnet sein, um das Glück zu erkennen.

Eine Geschichte vom Anfang und der Endlichkeit.

Auf dem Schmetterlingsbaum im Garten des Sonnenhofs treffen sich jedes Jahr die Schmetterlinge aus aller Welt. Sie erzählen den anderen Tieren von ihrem Leben, der Transformation und den Trauerritualen in ihren Heimatländern. Sie berichten von der Hoffnung, der Liebe und der Gewissheit auf ein Wiedersehen. Sie erleben gemeinsam, wie der Goldene Stern eine kleine Seele in eine andere, heitere Welt begleitet.

Eine tröstende Geschichte für Groß und Klein, die Hoffnung und Liebe in ihren Herzen bewahren wollen.

„Christel Maria Zwillus nimmt uns mit ihrem so kindgerechten wie philosophischem Buch „Wer weiß wohin“ die Scheu vor der großen, der existenziellen Frage. Oma Olga ist gestorben, der kleine Gustav ist traurig, aber er findet Antworten. Bei Penelope, der rosaroten Wolke, die seine Freundin ist. Bei Tara, dem Weltenbaum, bei vielen Tieren die sich dort zum Gespräch versammeln und zur oft kontroversen Diskussion. Wenn Robert, die Raupe, und Karlo, der Kohlweißling, durch die „Geschichte vom Anfang und der Endlichkeit“ führen, dann begreifen wir alle, dass das Ende nicht final sein muss. Und Auch Grabert, der Maulwurf, trägt zur Aufklärung über das wahre Wesen des Seins bei, ebenso wie Stanislaus, der Stichling. Sogar Platon taucht am Rande auf.“ (aus dem Vorwort von Ansgar Graw, DIE WELT / WELT am Sonntag, Washington).

Verlag tredition, Hamburg
ISBN
Paperback: 978-3-7323-7583-7
Hardcover: 978-3-7323-7584-4
e-Book: 978-3-7323-7585-1

Auch als Hörbuch erschienen

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Leseprobe

Es war ein schöner Tag, die Sonne stand hoch am Himmel, als Oma Olga unsere Welt verließ und starb. Zum Abschied sagte sie zum kleinen Gustav: „Sei nicht traurig, Gustav, ich verlasse jetzt diese Welt und gehe in eine andere, heitere, dorthin, wo schon viele andere Seelen auf mich warten. Und in dieser Welt, kleiner Gustav, werde auch ich auf dich warten, bist du irgendwann dort ankommst und wir uns wiedersehen“. „Oma Olga, wie heißt diese Welt und wo ist sie“? fragte Gustav neugierig. Doch Oma Olga antwortete nicht mehr, sie hatte sich schon auf den Weg gemacht. Gustav dachte nach, er hatte Oma Olga nicht so ganz verstanden. Was meinte sie mit der anderen Welt, die so schön ist und was waren das für Seelen, die auf Oma Olga warteten. Gustav hatte so viele Fragen. Aber, da Oma Olga nicht mehr antwortete, gab er ihr zum Abschied einen Kuss und ging zu Tara, dem alten Weltenbaum, denn dort wollte er seine Freundin, die rosarote Wolke Penelope treffen. Penelope war seine beste Freundin, sie kannten sich schon lange. Eigentlich wohnte Penelope am Himmel, aber immer wenn Gustav Fragen hatte, die ihm keiner so recht erklären konnte, kam Penelope auf die Erde und beide trafen sich bei Tara, dem alten Weltenbaum, um Dies und Das zu besprechen. Sie redeten über die Dinge, die Gustav bewegten und Penelope beantwortete jede von Gustavs Fragen so, dass er sie verstand und keine Antwort offen blieb. Als Gustav bei Tara, dem Weltenbaum ankam, saß Penelope schon auf einem Ast und erwartete ihn. Penelope wusste, dass Gustav traurig war und diesmal ganz besondere Fragen hatte, denn sie kannte die Ungeduld seines Herzens. Karlo Kohlweißling, der erste Schmetterling im Frühling, war ebenfalls eingetroffen und hatte sich zu Penelope auf den Ast gesetzt. Er wohnte, wie viele andere seiner Artgenossen auf dem Schmetterlingsbaum im Garten des Sonnenhofs. Hier tummelten sich jahrein, jahraus viele Schmetterlinge, aber heute war ein ganz besonderer Tag, denn heute wollten sich alle von Nah und Fern auf dem Schmetterlingsbaum im Garten treffen und sich erzählen, was sie hier und dort gesehen, gehört und erlebt hatten. Der Sonnenhof ist ein wunderschönes Haus, in dem kranke Kinder leben und die, wie Oma Olga, bald in eine neue Welt gehen. Es ist ein Haus des Abschieds, in dem Trauer und Liebe sich zärtlich die Hände reichen und die andere Welt näher und näher kommt. Gustav hatte Penelope, Tara den Weltenbaum und Karlo, den Schmetterling begrüßt und sich neben Penelope auf den Ast gesetzt. „Ich hab so viele Fragen, Penelope“. „Ich weiß, ich weiß — Oma Olga“ sagte sie leise, dabei streichelte sie tröstend über Gustavs Haar. Robert, die Raupe, die unter der Rinde des Weltenbaumes wohnt, wollte sehen, was los war und lugte vorsichtig um die Ecke. Als sie den Kohlweißling erblickte, begrüßte sie ihn freudig, denn die Raupe konnte es kaum erwarten, selbst ein schöner Schmetterling zu sein. „Hallo Kohlweißling“! rief sie erfreut, ich lebe nur noch kurz in dieser Zeit, der Übergang ist nicht mehr weit, dann bin ich auch so schön wie du, und fliege durch die Lüfte“. „Lass dir Zeit, lass dir Zeit, ein kleiner Weg nur, dann ist es auch für dich soweit…“. Der Schmetterling lächelte und machte sich zum Abflug bereit. Bevor er seine Flügel ausbreitete, rief er der Raupe zu: „Es ist ein kurzer Weg zur Endlichkeit Für eine Zeit bist du nur hier Für eine Zeit bleib ich bei dir Doch nur für eine kurze Zeit…“. Noch einmal hob er seine Flügel zum Gruß, dann flatterte er davon. Gustav unterdessen hatte sich ganz fest an Penelope gekuschelt und schaute sie traurig an. „Penelope, zum Abschied hat sie mir gesagt, sie würde in einer anderen, schöneren Welt auf mich warten. Kennst du diese schönere Welt, Penelope“? fragte Gustav seine Freundin. „Kennen ist zu viel gesagt, Gustav, aber, ab und zu habe ich die eine oder andere Seele schon dorthin begleitet“. „Gehen alle Seelen irgendwann in eine andere Welt“? fragte Gustav und versuchte zu verstehen. „Auch die Seelen von Tieren, Blumen und Bäumen“?. „Ja, Gustav, alle Seelen kommen aus einer andern Welt und irgendwann gehen die Seelen aller Lebewesen wieder in eine andere Welt. Jedes Lebewesen folgt einer Gesetzmäßigkeit und seiner Bestimmung“. „Was ist eine Bestimmung und was ist eine Gesetzmäßigkeit“? fragte Gustav, der mit Penelopes Erklärung noch nicht viel anfangen konnte. „Später, Gustav, werde ich dir alles genau erklären und du wirst erfahren, dass viele Welten im großen Universum nebeneinander existieren und Abschied und Wiedersehen untrennbar miteinander verbunden sind. Und das Gustav, ist eine Gesetzmäßigkeit. Und eine Gesetzmäßigkeit verbindet alle Lebewesen auf die eine oder andere Weise. Komm Gustav, lass uns zum Sonnenhof fliegen, dort wirst du noch viel mehr erfahren und besser verstehen“. Ein leichter Abendwind kam auf und begleitete die Beiden zum Garten der gaukelnden Schmetterlinge.

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